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Wichtige Informationen » Reisebericht Borhaug - Borshavn, Lista - Südnorwegen

Unser Reisebericht vom Februar 2011

Borhaug-Borshavn am Lista Cap, Südnorwegen:

Unser Reisebericht Februar 2011


Liebe Norwegenfans,
endlich ist es soweit, unser Reisebericht ist fertig.
Die wunderschönen Bilder stammen überwiegend von der Fotografin Karin Lundekvam aus Borhaug.
Wir bedanken uns recht herzlich bei Karin, dass wir diese schönen Bilder hier zeigen dürfen. (zu den Bildern bitte ganz nach unten skrollen)

Mathias und ich reisten im Februar 2011 für euch nach Norwegen, um neue Eindrücke zu gewinnen, und natürlich um unsere neue Destination in Borhaug Lista zu besuchen.

Leider spielte das Wetter überhaupt nicht mit, und wir haben uns genau die Tage ausgesucht, an denen es regnete und recht bedeckt war. Doch auch jetzt spiegelte die Landschaft ihren Liebreiz wieder, und es sollte trotz dessen einem eingefleischten Norwegenfan nicht einfallen, sich ins warme Stübchen zu verkriechen. Raus in die Natur, der Winterbrandung lauschen und die Gischt im Gesicht genießen, dazu wollen wir auffordern.

Wir haben unser Bestes gegeben, um möglichst viele Informationen für euch zusammen zu tragen.
Ein Highlight sind natürlich die Bilder von Karin Lundekvam, einer charmanten Fotografin aus Borhaug, die uns freundlicher Weise ihre „Kunstwerke“ zur Verfügung gestellt hat, um diese liebreizende und sogleich urzeitlich geformte Region zu allen Jahreszeiten vorstellen zu können.

Sonntag, am 06.02.2011 war es endlich soweit:

Die netten und steht hilfsbereiten Eigentümer unserer neuen Destination, Ernest, Arian und Geir präsentierten uns einen erlebnisreichen Tag auf Lista Fyr und in Borhaug.
Die drei Freunde bereiteten uns gegen Mittag einen herzlichen Empfang, direkt am Lista Fyr, einem alten noch in Betrieb befindlichen Leuchtturm. Stolz und erhaben steht das Denkmal auf der vorgelagerten Klippe von Lista, umgeben von gepflegten Wiesen, urzeitlichem Geröll und einigen alten Bunkern aus der Zeit des 2. Weltkrieges.
Nein, nicht ein Gärtner pflegt hier die Grünanlagen, sondern Schafe halten friedlich die Gräser kurz, und man sollte meinen, alles sei akkurat mit der „Nagelschere“ eigens für unseren Besuch in Form gebracht worden.

Der Leuchtturm, so berichtete Ernest, wird seit Jahren von seiner Familie betreut, angrenzend befinden sich noch zwei Cottages, in denen sich Ferienwohnungen befinden, gemütlich und zweckmäßig ausgestattet. Unweit befindet sich ein kleines Museum, in dem die historische Geschichte Listas und der alten Seefahrer eindrucksvoll wiedergegeben wird. Lista ist umgeben von vielen Wanderwegen, die übrigens vorbildlich ausgeschildert sind.
Auch im Winter und bei stürmischer See ist die Begehung dieses Wandernetzes, welches 200 Kilometer umfasst, ein wahres Erlebnis und sollte auf dem Programmzettel eines jeden Reisenden stehen.

Also, stolz standen wir nun am Fuße des Leuchtturmes und Ernest zog einen großen, alten Schlüssel aus der Tasche hervor, winkte uns heran. Zusammen durften wir den Leuchturm hinauf steigen und bewunderten von der oberen Aussichtskanzel das Meer. Hinter uns rumorte das Leuchtfeuer in der großen Kuppel und wir genossen den Blick bis hin zur Insel Hidra, erkannten unsere Angelplätze auf dem Jölle Plateau wieder und staunten über die gewaltigen Fels- und Steinformationen, die der Küste vorgelagert sind. Ernest berichtete, dass sich hier unterhalb einer Farm ( vom Meer erkennt man die Silos ) ein Nothafen existiert, bei plötzlich aufkommendem Wetter biete sich hier also ein Zwischenstopp an.
Das dünn besiedelte Hinterland Lista‘s ist eher flach, sanfte Hügel ziehen sich in Richtung Norden, und die direkte Umgebung ist mit landwirtschaftlichen Flächen und Salzwiesen durchzogen.
Von hier scheint es nur einen Steinwurf bis nach Borhaug zu sein, mit seinen kleinen Häfen und Anlegern.
Ernest und Arian berichteten, dass vor dem Erbau des Leuchtturmes die flache, vorgelagerte See regelmäßig ihre Ofer verschlang. Unzählige Schiffe liefen auf Grund, versanken mit ihren Schätzen in den Wogen und forderten so manches Menschenopfer. Alte historische Seekarten und historische Andenken, die man im angrenzenden Museum besichtigen kann, zeugen von einer Vielzahl von Wracks… noch vor Erbauung des Leuchtfeuers.
Viele Liebespaare, Sternengucker, und Naturbeobachter verbrachten schon so manche Nacht auf dem Turm… denn Gäste erhalten bei Interesse den Schlüssel von Ernest und können so ganz exklusiv und ungestört dem Lied der Brandung lauschen und sich an der untergehenden, feuerroten Sonne sattsehen, um dann sehnsüchtig dem Sonnenaufgang entgegen zu fiebern.

Schnell noch ein paar Bilder geknipst und die steinerne Wendeltreppe hinunter gestiegen, da wartete schon Geir mit Kaffee und Kuchen unten am Cottage. Schuhe aus, und hinein in die warme Stube. Beisammensitzen, tysk und norsk-engels snakken, das macht Laune.

Arian und Ernest berichteten von ihrer Fischerei, stolz präsentierte Ernest dann aus seinem Fotoalbum einige Bilder, auf denen er mit einem gewaltigen Südnorge-Heilbutt zu sehen ist.
90 KG an der Langleine, in nur 30 Meter Wassertiefe direkt vor Lista, so berichtete Ernest, hatte er vor Jahren diesen stattlichen Kerl aus dem Meer geholt. Als wenn es erst gestern gewesen ist.
Ich konnte es mir nicht verkneifen, und hab als Beweis von seinen Fotos einen Schnapschuss für euch gemacht… könnt ihr selbst sehen, die Geschichte ist wahr.
Arian und Geir berichteten, dass fast wöchentlich von den Lista-Fischern auf Naturköder Heilbutt um die 10 KG gefangen werden. Ein Fisch in der Größe, wie Ernest ihn gefangen hat, ist eher die Ausnahme.
Erfreulich ist, dass alle drei sehr fischereigewandt sind.. und man konnte sofort merken, dass sie etwas von der Kunst verstehen…
Ernest berichtete hellauf begeistert, dass der Fang des Heilbutt gar keine große Kunst sei. Mit einem stattlichen Fischfetzen, in 30 Meter Wassertiefe ist der Fang eines 10 Kilo Fisches durchaus möglich. Speziell die Lista Heilbutt stehen in Rudeln zusammen, in regelrechten Nestern auf einem fußballfeldgroßen Flecken. Wer genau diese Stelle trifft, wird diesen König der Fische an den Haken bekommen. Die Kunst, diesen Fisch zu verführen, beruht u.a. an der Präsentation des Köders. Fakt ist: Heilbutt ist gierig nach Tintenfisch, so Ernest.
Er bietet dementsprechend ein 3 Haken-System an, ein Haken ist mit Hering, einer mit Makrele und der 3. mit Tintenfisch garniert. Meist geht der Heilbutt auf den Tintenfisch.

Brandungsangler können von den vorgelagerten Wellenbrechern und an den Stränden, sowie in den Häfen, richtig gute Plattfische mit der Brandungsrute erbeuten. Steinbutt, Scholle und Seezunge treffen sich in den Monaten Mai und Juni zum Stelldichein direkt vor den nahen Stränden in nur 2-3 Meter flachem Wasser. Wattwurm, Reker, oder Fischplocken sind hier die Köder der Wahl.
Der Funke, den Ernest versprühte, verfehlte nicht sein Ziel, und wir löcherten die drei mit Fragen und abermals Fragen. Nur eins wird nicht verraten: Die Lage des großen Wracks… und der Heilbutt-Hotspot, und das ist auch gut so. Die drei Nordmänner grinsten hämisch und meinten, dass sie ja nicht alles sofort erzählen müssten. Ein wenig Spannung soll schon aufkommen, meinte Geir breit grinsend.

Nachdem wir das kleine Lista-Museum besichtigt hatten, ging es weiter nach Borshavn.
Es dämmerte schon ein wenig und so schoss ich das ein oder andere Foto…
Wir waren erstaunt, wie schnell und akkurat an den neuen Objekten gearbeitet wurde.
Die Bedachung, die Fassaden, sowie die Innengerippe von Boatyard, Koksbua und Sildebua stehen bereits, unzählige Kabel und Wasserleitungen wurden gezogen.
Man merkt gleich, die norwegischen Snekker verstehen etwas vom Holzbau…
Mit Begeisterung erklärten uns die Nordmänner jeden einzelnen Handschlag, wo und wie welcher Raum entsteht und das in einer Faszination und Überzeugungskraft, am liebsten hätte ich sogleich in das visuelle Federbett in eines der Schlafzimmer springen können.
Jaja, Seeluft macht zufrieden und beruhigt ungemein.

Nun war auch ich überzeugt, dass die Objekte zum 15.05 fertig gestellt sind und wir waren mit dem Stand der Arbeiten mehr als zufrieden. Sobald die Innenarbeiten abgeschlossen sind, wird auch Draußen klar Schiff gemacht. Ob der noch einzusäende Rasen auf den Außenanlagen bereits im Mai in seinem „grün“ erstrahlen wird, liegt wohl eher am Wetter. Sollte der April auch so mild beginnen, werde ich mich deswegen wohl nicht grämen müssen.

Ernest berichtete, dass auch die Arbeiten für die Neugestaltung des vorgelagerten Hafenbereichs unverzüglich beginnen sollen. Mehrere Millionen Kronen sind hierfür aus einem Fond vorgesehen. Auch hier sollen die Arbeiten zum Nationalfeiertag abgeschlossen sein, und die Parade kann hier pünktlich am 17. Mai stattfinden.

Direkt am Hafen herrschte am heutigen Abend nur wenig Treiben, einige Pensionäre trafen sich, wie am jedem Tag, in einer kleinen, niedlichen „Kaffeebud“, und der angrenzende Hafenkiosk/ Imbiss mit Pölserverkauf hielt gerade Winterschlaf. Viele Familien waren mit ihren Kindern unterwegs, und genossen die abendliche Winterstimmung am Hafen.

Stolz präsentierte uns Ernest seinen Fischkutter. Übrigens, sein Bruder besitzt das Schmuckstück im Hafen…. Und hier und da wurde ein kleiner Snack mit den Hobbyfischern gehalten, die ihre Boote für die nächste Ausfahrt klar machten.
Nun konnte ich mir auch gut vorstellen, dass Lista gerade in der stürmischen Jahreszeit besonders gut geschützt daherkommen muss. Der gesamte Hafenbereich, der wie ein Enteneich dalag, ist umgeben von richtig hohen Deichen, Wällen und Wellenbrechern.
Da diese Dämme allesamt mit Wegen versehen sind, war es ein Vergnügen, an der Küste entlang zu schlendern und neugierig in die still daliegenden Fischerboote zu schauen.
Dennoch, so berichtete Ernest, gibt es in der Saison nur wenige Ausfalltage aufgrund heftigen Windes. Eigens deshalb werden auch die schweren Dieselkutter angeschafft, und wie wir festgestellt haben, genau die richtige Wahl für diese Region.

Ein Segen ist die teils aufkommende Brandung für die Windsurfer und Velofahrer.
In Nordeuropa ist die Pissarenna (auf deutsch knallhart übersetzt heißt das: Pissrinne –smile-) berühmt und bekannt und ist in den stürmischen Monaten des Jahres Anlaufziel Nr. 1 unter den Sportbegeisterten.

Wusstet ihr schon, dass es neben dem großen Hafen auch kleinere in Borhaug gibt ?
Diese gepflegten Becken, die zu Kriegszeiten erbaut worden sind, bieten gute Anlaufpunkte für einen Spaziergang oder laden zum abendlichen Brandungsangeln ein.
Angrenzend befinden sich kleine, typisch norwegische Strandabschnitte und nicht weit entfernt beginnen die bekannten, langen Listastrände.

Übrigens… bevor der Sommer kommt, ist es Sitte in Borhaug, dass sich sämtl. Schulklassen an den Aufräumarbeiten nach dem Winterende beteiligen und Strände und Mohlen für den beginnenden Sommer reinigen und rausputzen. So manch interessantes Strandgut kann hier gesammelt werden.

Ein kleines Highlight ist ein Restaurant in Borhaug mit einheimischer Speisekarte, sowie etwas außerhalb von Borhaug ( 5 Minuten zu Fuß ) ein uriger, gemütlicher PUB am Seitenhafen. Wir konnten es uns geradeso verkneifen, ein leckeres Getränk zu uns zu nehmen.
Ups.. ich vergaß, natürlich gibt es auch einen nagelneuen Einkaufsmarkt in Borhaug, der vor der Fischannahmestelle gebaut wurde.
Übrigens kann man an der Fischannahmestelle richtig gut angeln, denn hier fällt beim Löschen der Ladung ab und an ein schöner Plocken Fisch über Bord und lockt so manchen Räuber an.

Eins steht fest, wir haben uns ein wenig heftig verliebt, in die Listaregion…. und der Funke ist gnadenlos übergesprungen… ich hoffe, auch bei euch

PS: Bilder folgen


© Karsten, www.come2norway.com

Bilder

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